Carolin Beyer

Carolin Beyer


Vom Abbild zum Portrait zu kommen, ist, glaube ich, die Aufgabe des Malers oder der Malerin.


Die Malerin Carolin Beyer (*1962 in Hamburg) schloss 1997 ihr Studium mit Diplom an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften (HAW) mit dem Thema „Malerische Illustration - Illustrative Malerei“ anhand eines eigenen Kinderbuches ab. Als freischaffende Malerin spezialisierte sie sich schon früh auf die Porträtmalerei. 

Zu den von ihr Porträtierten zählen zahlreiche Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens. Carolin Beyers Arbeiten sind neben Ausstellungen im In- und Ausland in privaten und öffentlichen Sammlungen zu sehen. Die Künstlerin Beyer lebt und arbeitet in Hamburg. 

Carolin Beyer zu Fotos, Karikaturen und Portraits.
Auszug aus einem Interview das Roger Willemsen († 7. Februar 2016) mit der Malerin führte.

Die Aufgabe der Portraitmalerin ist zu nächst sich selbst ein Bild von jemandem zu machen, ohne dass es ein Abbild ist. Ein Foto ist ein Abbild und damit austauschbar. Es gibt natürlich wunderbare Fotografien, die Seele einfangen können. Aber trotzdem ist es ein Foto. Vom Abbild zum Portrait zu kommen, ist, glaube ich, die Aufgabe des Malers oder der Malerin.

Natürlich können Menschen für mich ein Gesicht machen. Der Pinsel ist meine Wünschelrute mit der ich versuche herauszubekommen, wann ein Mensch am meisten er selbst ist und das „Fotogesicht“ fallen lässt. Das kann eine lange Suche sein. Für mich ist ein Porträt erst dann gelungen, wenn ich es geschafft habe, dieses eigentliche Gesicht einzufangen. Diesen echten unverstellten Blick. Wie ist diese Person gedacht? Wie drückt sich sein ganz einmaliges Wesen aus. Seine Körpersprache, seine Gesichtszüge. Es ist eine Expedition in die Seele des Menschen, deren Ergebnisse mit Pinsel und Farbe in die Sprache des Bildes übersetzt werden müssen. Das ist, besonders bei Personen des öffentlichen Lebens ein nicht immer leichtes Unterfangen.

Ich bin keine Karikaturistin, was ja in der Regel heißt zu überzeichnen. Natürlich habe ich gelegentlich diesen Hang zum „Augenzwinkern“ oder vermeintliche Abgründe aufzudecken. Mein Anliegen ist komplexer, ich versuche den Portraitierten in seiner ganz persönlichen Schönheit einzufangen. Ich finde jeder Mensch hat eine ganz persönliche Schönheit, dabei kann es sich sogar um ein entstelltes Gesicht handeln.

© Kunsthaus an der Alster, 10/2016

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Treue, 90 x 60 cm, Acryl auf Leinwand